{"id":1568,"date":"2013-10-16T08:58:02","date_gmt":"2013-10-16T08:58:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bondvigilantes.com\/deutsch\/?p=1568"},"modified":"2024-06-26T15:30:23","modified_gmt":"2024-06-26T15:30:23","slug":"italien-gute-das-schlechte-und-die-politiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/2013\/10\/italien-gute-das-schlechte-und-die-politiker\/","title":{"rendered":"Italien: das Gute, das Schlechte und die &#8230; Politiker"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor kurzem hat die italienische Politik wieder einmal weltweit f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt. Die M\u00e4rkte f\u00fcrchten sich ja immer vor Instabilit\u00e4t, und Italien ist stets eine ergiebige und schier unersch\u00f6pfliche Quelle der Unsicherheit. Schlie\u00dflich verf\u00fcgen wir Italiener \u00fcber die gro\u00dfartige F\u00e4higkeit, uns selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Die gute Nachricht dabei ist, dass sich die M\u00e4rkte in den letzten Wochen besser behauptet haben als in der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy1.png\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7915\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy1.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy1-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy1-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1 \u2013 Das politische Leben auf der Halbinsel<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Wochen hat das Research einiger bekannter Investmentbanken ergeben, dass Italien (neben dem so genannten \u201eShutdown\u201c in den USA) eine der beiden gr\u00f6\u00dften kurzfristigen Risikoquellen f\u00fcr die Kapitalm\u00e4rkte ist. Ihren Anfang nahm die j\u00fcngste Krise, als Silvio Berlusconi die Minister seiner Partei zum R\u00fccktritt aufforderte, um dadurch Neuwahlen zu erzwingen. Entgegen aller Erwartungen war diese Gefahr aber dann fast ebenso schnell auch wieder gebannt, nachdem Enrico Letta die darauf folgende Vertrauensabstimmung mit gro\u00dfer Unterst\u00fctzung f\u00fcr sich entscheiden konnte. Obwohl dies zweifellos eine gute Nachricht war, stellt sich nun aber die Frage, wie es in Italien politisch weitergehen wird. Ich bin zwar kein Hellseher, kann aber zumindest sagen, dass sich die Italiener in dieser Hinsicht niemals \u00e4ndern werden. Deshalb werden Unsicherheitsfaktoren in Verbindung mit dem Parteien- und Wahlrecht, der Sozialpolitik, der Staatsverschuldung, dem Problem der Steuerhinterziehung, strukturellen Reformen, wirtschaftlichen Interessen und einer ineffizient umgesetzten Gesetzgebung (um nur ein paar Beispiele zu nennen) diese Nation, die zu wirklich schnellen Ver\u00e4nderungen offenbar nicht f\u00e4hig ist, wohl noch eine ganze Weile besch\u00e4ftigen. Aus diesem Grund wird das politische Risiko also auch weiterhin f\u00fcr Unruhe sorgen. Allerdings k\u00f6nnten Anleger, die sich zu stark auf diesen Aspekt konzentrieren, den Blick f\u00fcr das \u201egro\u00dfe Ganze\u201c verlieren \u2013 und zwar sowohl im Hinblick auf das Risiko als auch bez\u00fcglich des Aufw\u00e4rtspotenzials.<\/p>\n\n\n\n<p>2 \u2013 Zuerst die schlechte Nachricht: Das Erbe der \u201eRes Publica\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land, in dem die Urspr\u00fcnge des antiken R\u00f6mischen Reichs liegen, hat bereits seit Jahrzehnten mit diversen wirtschaftlichen Problemen zu k\u00e4mpfen. So liegt die Staatsverschuldung derzeit bei betr\u00e4chtlichen 2 Bio. Euro (wovon Zahlen des IWF aus dem Dezember 2012 zufolge etwa 30 Prozent im Ausland gehalten werden), w\u00e4hrend die Schuldenquote im Vergleich zum BIP gleichzeitig in besorgniserregende H\u00f6hen ansteigt. Am meisten Sorgen sollten den Anlegern jedoch die Folgen der entsprechend enormen Zinslast sowie die H\u00f6he der Staatsausgaben insgesamt bereiten. Einschlie\u00dflich der Geh\u00e4lter f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst, der allgemeinen Aufwendungen, der laufenden Kosten zur Unterhaltung des Staates sowie der Transferzahlungen an die lokalen Verwaltungen verschlingt der italienische Staatsapparat Steuergelder in H\u00f6he von \u00fcber 790 Mrd. Euro pro Jahr (was 51 Prozent des BIP entspricht). Allein die Zinszahlungen belaufen sich auf 85 Mrd. Euro. Eine kleine Anekdote am Rande: Wussten Sie eigentlich, dass das italienische Parlament den Steuerzahler im Jahr 2011 stolze 1,65 Mrd. Euro und damit genauso viel gekostet hat wie die Parlamente Englands, Frankreichs und Deutschlands zusammen? Unter Ber\u00fccksichtigung des lediglich suboptimalen BIP-Wachstums mangelt es zudem nach wie vor an den dringend erforderlichen Mitteln, um in Produktivit\u00e4tssteigerungen, Sozialma\u00dfnahmen und neue Unternehmensanreize zu investieren. Gleichzeitig besteht ein lediglich begrenzter Spielraum f\u00fcr eine Reduzierung der hohen Steuerbelastung, unter der Familien ebenso leiden wie Unternehmen, deren Wettbewerbsf\u00e4higkeit an den internationalen M\u00e4rkten dadurch zudem beeintr\u00e4chtigt wird. So belegte Italien (immerhin die neuntgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt) beim aktuellen Bericht zur <a title=\"http:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_GlobalCompetitivenessReport_2013-14.pdf\" href=\"http:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_GlobalCompetitivenessReport_2013-14.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">globalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/a> des Weltwirtschaftsforums nur noch Rang 49 (zuletzt war es noch Platz 42 gewesen).<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist es f\u00fcr Unternehmen und Firmen auch nach wie vor schwierig, <span style=\"text-decoration: underline\">im Land selbst<\/span> gesch\u00e4ftlich t\u00e4tig zu sein:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Justiz: Aus dem \u201eDoing Business\u201c-Bericht der Weltbank f\u00fcr das Jahr 2013 (die entsprechenden Zahlen finden Sie <b>hier<\/b>) geht hervor, dass es in Italien im Durchschnitt 1.210 Tage dauert, Rechte aus einem Vertrag geltend zu machen \u2013 und damit mehr als doppelt so lange wie in anderen wohlhabenden OECD-Staaten. F\u00fcr diejenigen, die ein Glas lieber als halbvoll denn als halbleer betrachten, sei angemerkt, dass es im Jahr 2004 noch 1.390 Tage waren. Aber w\u00fcrden Sie an dieser Stelle wirklich von einem Fortschritt sprechen? Schlie\u00dflich lehrt die Wirtschaftsliteratur, dass ein ineffizientes Justizwesen und schwache rechtliche Institutionen die Kreditkosten von Unternehmen nach oben treiben, weil die Banken deshalb von einem h\u00f6heren Risiko ausgehen (und dies auch in ihren Preisen ber\u00fccksichtigen). Au\u00dferdem hat sich gezeigt, dass dadurch auch ausl\u00e4ndische Direktinvestments behindert sowie die Innovationskraft beeintr\u00e4chtigt werden. So sind die ausl\u00e4ndischen Direktinvestments in den letzten drei Jahren, f\u00fcr die diese Zahlen bereits verf\u00fcgbar sind von 270 Mrd. Euro auf 247 Mrd. Euro gesunken (auf Basis der OECD-Zahlen f\u00fcr 2011 und unter Ber\u00fccksichtigung des aktuellen EUR\/USD-Wechselkurses).<\/li>\n\n\n\n<li>Ein schrecklicher Kunde: Im Oktober von Eurostat ver\u00f6ffentlichte Zahlen belegen erstmals, dass die italienische Regierung per Ende 2011 bei kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen mit insgesamt mehr als 67 Mrd. Euro (oder 4,3 Prozent des BIP) in der Kreide stand. Aktuelle Sch\u00e4tzungen der Bank of Italy zufolge gehen mittlerweile sogar von 91 Mrd. Euro (fast 6 Prozent des BIP) aus. Obwohl erst k\u00fcrzlich 40 Mrd. Euro freigegeben worden sind, um einen Teil der Verbindlichkeiten bei italienischen Unternehmen auszugleichen, wird das grundlegende Problem dadurch nicht gel\u00f6st und vergleichsweise schwache Vertragspartner auch weiterhin in Mitleidenschaft ziehen. Die Folgen sind Zahlungsausf\u00e4lle und eine steigende Arbeitslosigkeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Steuern: Die Unternehmens- und Einkommensteuern sind in Italien so hoch wie in kaum einem anderen Land weltweit. Darunter leiden sowohl die Firmen als auch der private Konsum. Gleichzeitig reichen die Steuereinnahmen Italiens (von etwa 470 Mrd. Euro im Jahr 2012) aber nicht aus, um die \u00fcbertrieben hohen Staatsausgaben des Landes zu decken. Das eigentliche Problem besteht in der ungleichen Verteilung der Steuerbelastung: Denn w\u00e4hrend die braven Steuerzahler zu viel zahlen m\u00fcssen, kommen die vielen Steuers\u00fcnder ungeschoren davon. So gehen einige Sch\u00e4tzungen davon aus, dass Steuern in H\u00f6he von etwa 300 Mrd. Euro (oder 15 Prozent des BIP des Jahres 2012) hinterzogen worden sind. Damit entspricht diese Summe dem BIP Singapurs, Griechenlands oder D\u00e4nemarks. Stellen Sie sich doch einmal vor, welche M\u00f6glichkeiten sich er\u00f6ffnen w\u00fcrden, wenn man diese Geldquelle anzapfen w\u00fcrde. Konkrete Reformen, die auf eine ernsthafte Bek\u00e4mpfung von Steuerhinterziehung abzielen, h\u00e4tten au\u00dferdem einen doppelten Effekt: Dadurch w\u00fcrden n\u00e4mlich nicht nur die Staatseinnahmen steigen, sondern hoffentlich auch die Unternehmens- und Einkommensteuer sinken.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die daneben noch bestehenden, anhaltenden wirtschaftlichen Probleme Italiens sind allgemein bekannt \u2013 von einer steigenden Arbeitslosigkeit (aktuelle Zahlen aus dem August weisen eine Arbeitslosenquote von 12,2 Prozent aus, w\u00e4hrend die Jugendarbeitslosigkeit 40,1 Prozent betr\u00e4gt) bis hin zu dem \u00fcbertrieben starken Einfluss der Gewerkschaften. Au\u00dferdem: W\u00e4hrend die Lohnkosten in den anderen europ\u00e4ischen Peripheriestaaten gesunken sind (wodurch sich die Wettbewerbsf\u00e4higkeit dieser L\u00e4nder verbessert hat), traf dies auf \u201eBella Italia\u201c nicht zu.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy2.png\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7916\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy2.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy2-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy2-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Aufgrund des oben Erl\u00e4uterten hat die italienische Bev\u00f6lkerung ein \u2013 verst\u00e4ndlicherweise \u2013 nur noch begrenztes Vertrauen in ihre Institutionen. Dies illustriert auch der aktuelle <a title=\"http:\/\/www.mandg.de\/-\/media\/Literature\/Europe\/Austrian-German\/Inflation-Expectation-Survey-GER-Q3-2013.pdf\" href=\"http:\/\/www.mandg.de\/-\/media\/Literature\/Europe\/Austrian-German\/Inflation-Expectation-Survey-GER-Q3-2013.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Inflationsbericht f\u00fcr das III. Quartal 2013 von M&amp;G und YouGov<\/a>. Aus diesem geht n\u00e4mlich hervor, dass die Mehrheit der Befragten kaum darauf vertraut, dass ihre Regierung in der Lage ist, die richtige Wirtschaftspolitik umzusetzen. Allerdings sprechen diese Ergebnisse nicht nur f\u00fcr ein mangelndes Vertrauen in die Ma\u00dfnahmen der Regierung, sondern belegen auch, dass der F\u00e4higkeit der Zentralbank, mittelfristig Preisstabilit\u00e4t (sprich eine Inflationsrate von etwa 2 Prozent) sicherzustellen, immer weniger Vertrauen entgegengebracht wird. Die Italiener sind aber auch der Meining, dass&nbsp; tut aber auch die Europ\u00e4ische Zentralbank nicht gerade viel f\u00fcr sie tut, was darauf hindeutet, dass die k\u00fcrzlich abgegebenen Zukunftsprognosen (\u201eForward Guidance\u201c) nur m\u00e4\u00dfigen Anklang gefunden haben. Dar\u00fcber hinaus gehen die Italiener f\u00fcr die Zukunft sogar noch von einer Beschleunigung der inflation\u00e4ren Tendenz aus und erwarten Inflationsraten von bis zu 3 Prozent (mit Sicht auf ein Jahr) bzw. 3,3 Prozent (auf 5-Jahresbasis). Im Vergleich dazu betrug die tats\u00e4chliche Inflationsrate aufgrund der aktuellen Rezession sowie wegen des schwachen Arbeitsmarktes im August 2013 lediglich 0,9 Prozent.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy3.png\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7917\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy3.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy3-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy3-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>3 \u2013 Und nun die gute Nachricht: Wieder anziehende Wirtschaftstrends, steigende Privatverm\u00f6gen und eine zunehmende Zahl italienischer Unternehmen, die ihr Gesch\u00e4ft auch im Ausland betreiben, zeichnen ein ganz anderes Bild, das einer genaueren Betrachtung wert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der IWF davon ausgeht, dass Italien im Jahr 2014 wieder ein moderates BIP-Wachstum von aber lediglich 0,7 Prozent vorlegen wird, ist der Umstand, dass die italienische Wirtschaft nach fast zwei Jahren der Rezession mittlerweile Anzeichen einer Stabilisierung zeigt, sicherlich eine erfreuliche Nachricht. So erholen sich einige Kennzahlen endlich wieder \u2013 von den Einkaufsmanagerindizes (PMIs) \u00fcber die Vertrauens-Indikatoren bis hin zur Auftragslage in der Exportindustrie. Gleichzeitig zieht auch der Bankensektor wieder an, obwohl wir uns um dieses Segment nach wie vor Sorgen machen. Lassen Sie uns in diesem Zusammenhang einen Blick auf einige der entscheidenden Entwicklungen werfen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy4.png\" data-rel=\"lightbox-image-3\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7918\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy4.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy4-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy4-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Obwohl die Arbeitslosigkeit, das lediglich m\u00e4\u00dfige Wachstum sowie andere Faktoren die Einkommen der Privathaushalte in den letzten Jahren belastet haben \u2013 wodurch sowohl die Binnennachfrage (also der Konsum) als auch die Sparraten beeintr\u00e4chtigt worden sind \u2013 d\u00fcrften die Privatverm\u00f6gen (sprich die Summe aller finanziellen und nicht-finanziellen Verm\u00f6genswerte abz\u00fcglich aller Verbindlichkeiten) auf der italienischen Halbinsel f\u00fcr einige \u00dcberraschung sorgen. Dieser Wohlstand ist n\u00e4mlich eine zentrale Komponente des Wirtschaftssystems, mit welcher der zuk\u00fcnftige Konsum, die Abfederung von Schocks und anderer unerwarteter Ereignisse, die \u00dcbernahme von Unternehmen sowie sonstige Wirtschaftsaktivit\u00e4ten finanziert werden. Und Italien zeichnet sich innerhalb Europas mit insgesamt 9 Bio. Euro immer noch durch eines der h\u00f6chsten Privatverm\u00f6gen (auf Basis des Bruttohaushaltsverm\u00f6gens) aus. Dies entspricht dem 8,5-fachen der nominalen verf\u00fcgbaren Einkommen (laut OECD, Stand 2013, auf Grundlage der Daten f\u00fcr 2011). In Gro\u00dfbritannien und Frankreich liegt dieser Wert etwa bei 8, w\u00e4hrend er in Japan 7,6, in Deutschland 6,3 und in den USA sogar lediglich 5,2 betr\u00e4gt. Ein derart hohes Sparverm\u00f6gen ist in Phasen eines konjunkturellen Abschwungs kein schlechtes Polster. Dank dieser angeh\u00e4uften Ersparnisse k\u00f6nnen Familien weiter konsumieren (wenn auch in geringerem Ma\u00dfe als zuvor). Oftmals gelingt es ihnen damit sogar, trotz l\u00e4ngerer Arbeitslosigkeit nicht in die Armut abzurutschen. Letztlich werden dadurch soziale Unruhen und Chaos verhindert. Aufgrund der geringen Verschuldung der italienischen Privathaushalte (auch wenn diese momentan ansteigt) sieht die allgemeine Schuldenlage (das hei\u00dft die der \u00f6ffentlichen Hand und des Privatsektors) au\u00dferdem besser aus als wenn man nur die Staatsverschuldung f\u00fcr sich allein betrachten w\u00fcrde. Diese entspricht im Wesentlichen dem europ\u00e4ischen Durchschnitt von rund 300 Prozent des BIP.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy5.png\" data-rel=\"lightbox-image-4\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7919\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy5.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy5-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Italy5-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Betrachtet man das Ganze aus einer anderen Perspektive, so sind italienische Unternehmen in der Lage, <span style=\"text-decoration: underline\">au\u00dferhalb<\/span> Italiens momentan wirklich hervorragende Gesch\u00e4fte zu machen. So geht aus einem am vergangenen Freitag ver\u00f6ffentlichten <a title=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/scr\/2013\/cr13299.pdf\" href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/scr\/2013\/cr13299.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht des IWF<\/a> hervor, dass die italienischen Exporte trotz einer weltweit m\u00e4\u00dfigen Nachfrage immer noch robust sind. Dar\u00fcber hinaus wird deutlich, dass italienische Firmen nach wie vor solide, flexibel und widerstandsf\u00e4hig sind. Auf makro\u00f6konomischer Ebene verbessert sich die Leistungsbilanz inzwischen wieder. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind die h\u00f6heren Exporte sowie die dank einer schwachen Binnennachfrage niedrigen Importe. Derweil entwickelt sich der Sektor der handelbaren G\u00fcter auf betriebswirtschaftlicher Ebene trotz einer zunehmenden Konkurrenz durch kosteng\u00fcnstigere Produkte aus den Schwellenl\u00e4ndern im Gegensatz zu vielen anderen europ\u00e4ischen Staaten auch weiterhin gut. Dabei wurden Flexibilit\u00e4t, die Bereitschaft f\u00fcr kontinuierliche Innovationen sowie eine breite Palette hochmargiger Qualit\u00e4tsprodukte als jene entscheidenden Faktoren ausgemacht, die es Italien erm\u00f6glichen, seine Position im globalen Vergleich zu behaupten. So z\u00e4hlt dieses Land immer noch zu den weltweit f\u00fchrenden Exporteuren von Textilien, Bekleidung und Lederwaren, w\u00e4hrend es in den Segmenten nicht-elektronische Anlagen und Fertigung (hinter Deutschland) Rang 2 belegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reihe von Nicht-Finanzunternehmen aus Italien verf\u00fcgt \u00fcber sehr wertvolle Markennamen mit einem weltweiten Bekanntheitsgrad. Dabei handelt es sich oftmals um gut gef\u00fchrte Firmen mit stetiger Wertsch\u00f6pfung und hochtalentierten Mitarbeitern, die sich im internationalen Wettbewerb auch zuk\u00fcnftig behaupten werden. Was den Bankensektor betrifft, so haben die italienischen Banken die Schocks infolge der ausgepr\u00e4gten und langwierigen Rezession im Lande selbst sowie der Krise in Europa insgesamt inzwischen gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcberwunden. Einem aktuellen <a title=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/scr\/2013\/cr13300.pdf\" href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/scr\/2013\/cr13300.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berichts des IWF<\/a> \u00fcber die italienische Bankenbranche zufolge hat sich das System mittlerweile wieder stabilisiert. Die Bankeinlagen im Inland sind zuletzt angestiegen, so dass ohne umfassende staatliche Hilfen zus\u00e4tzliche Kapitalpuffer aufgebaut werden konnten. Dar\u00fcber hinaus wurden die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise durch die Ma\u00dfnahmen der EZB in Form der langfristig ausgerichteten Refinanzierungsgesch\u00e4fte (LTRO) sowie der \u201eOutright Monetary Transactions\u201c (OMT) abgefedert. Dadurch wurden die italienischen Banken vor den Schwankungen am Interbanken-Markt gesch\u00fctzt. In den letzten Jahren wurden diese Kapitalpuffer dann noch verst\u00e4rkt, so dass sie mittlerweile vermutlich ausreichen w\u00fcrden, um im Falle eines negativen Schocks einen Gro\u00dfteil der dadurch auftretenden Verluste aufzufangen. Unser Team ist aber immer noch der Auffassung, dass das System noch nicht au\u00dfer Gefahr ist. Die anhaltende Schw\u00e4che der Realwirtschaft sowie die engen Verbindungen zwischen dem Finanzsektor und dem Staat stellen nach wie vor bedeutende Risiken dar. Gleichzeitig werden die italienischen Banken vor allem durch eine geringe Profitabilit\u00e4t und eine nachlassende Kreditqualit\u00e4t (mit inzwischen 14 Prozent hat sich der Anteil notleidender Kredite seit 2007 nahezu verdreifacht) bedroht, w\u00e4hrend die Absicherung notleidender Kredite durch R\u00fcckstellungen und Sicherheiten immer noch niedriger ist als in anderen Mitgliedsstaaten der EU. Da die EZB die Qualit\u00e4t der Verm\u00f6genswerte von Banken im ersten Halbjahr 2014 \u00fcberpr\u00fcfen wird, gibt dies besonderen Anlass zur Sorge. Obwohl der j\u00fcngste R\u00fcckgang der Renditen italienischer Staatsanleihen von ihren H\u00f6chstst\u00e4nden diesen Druck zuletzt etwas gelindert hat, ist die Krise in Europa aber immer noch nicht vor\u00fcber. So drohen Banken mit umfangreichen Positionen in italienischen Staatsanleihen nach wie vor unmittelbare Mark-to-Market-Verluste sowie h\u00f6here Finanzierungskosten, falls die Staatsanleihenrenditen wieder ansteigen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen die anhaltenden Schwierigkeiten, mit denen die italienische Wirtschaft sowie die dortigen Unternehmen immer noch zu k\u00e4mpfen haben, nicht au\u00dfer Acht lassen. Abgesehen davon sollte man die Fortschritte, die dieses Land hin zu einem robusteren und wettbewerbsf\u00e4higeren Wachstumsmodell macht, aber auch weiterhin aufmerksam im Blick behalten. Dar\u00fcber hinaus haben sich italienische Verm\u00f6genswerte im Verlauf des Jahres 2013 wieder deutlich erholt (trotz der j\u00fcngsten, politisch induzierten Turbulenzen). Gleichzeitig gibt es auch an den M\u00e4rkten f\u00fcr Unternehmensanleihen einige gute Beispiele f\u00fcr breit aufgestellte Firmen, die auf einem g\u00fcnstigen Bewertungsniveau gehandelt werden. Und zwar nicht wegen fundamentaler Probleme, sondern aufgrund des Drucks, unter den italienische Staatsanleihen in den letzten Jahren geraten sind. F\u00fcr Kreditinvestoren ist und bleibt aber die Bewertung entscheidend, so dass die Fundamentalanalyse unerl\u00e4sslich ist, um an den Peripheriem\u00e4rkten die \u201eGewinner\u201c herauszufiltern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem hat die italienische Politik wieder einmal weltweit f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt. 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