{"id":2051,"date":"2014-06-30T09:46:57","date_gmt":"2014-06-30T09:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bondvigilantes.com\/deutsch\/?p=2051"},"modified":"2014-06-30T09:46:57","modified_gmt":"2014-06-30T09:46:57","slug":"welche-faktoren-koennten-die-weltwirtschaft-aus-der-bahn-werfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/2014\/06\/welche-faktoren-koennten-die-weltwirtschaft-aus-der-bahn-werfen\/","title":{"rendered":"Welche Faktoren k\u00f6nnten die Weltwirtschaft aus der Bahn werfen?"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Weltwirtschaft sieht es momentan ziemlich gut aus. Die US-Notenbank f\u00e4hrt allm\u00e4hlich ihre quantitativen Lockerungsma\u00dfnahmen zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Wirtschaft Chinas weiter kr\u00e4ftig w\u00e4chst. Gleichzeitig spricht man bei der Bank of England bereits von Zinsanhebungen, wohingegen die Notenbanken Japans und Europas ihre Volkswirtschaften nach wie vor mit einer unkonventionellen und extrem lockeren Geldpolitik ankurbeln. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds geht davon aus, dass das Wachstum in den etablierten Volkswirtschaften von seinem 0,5 Prozent-Tief aus dem Jahr 2012 bis 2015 auf fast 2,5 Prozent anziehen wird. Parallel dazu erwartet man in den Schwellenl\u00e4ndern sogar ein Wachstum von 5,5 Prozent.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es aufgrund der Komplexit\u00e4t der zugrunde liegenden volkswirtschaftlichen Tendenz bekannterma\u00dfen schwierig, die H\u00f6he des zuk\u00fcnftigen Wirtschaftswachstums vorherzusagen. F\u00fcr eine wirklich exakte Prognose gibt es schlicht zu viele Variable. Aus diesem Grund wird die Vorgehensweise der Notenbanken auch oftmals mit einem Wagen verglichen, den man per Blick in den R\u00fcckspiegel steuert.<\/p>\n<p>Deshalb ist es durchaus vern\u00fcnftig, sich im Bezug auf das Wirtschaftswachstum auf diverse m\u00f6gliche Szenarien vorzubereiten. Da der Markt zurzeit im Allgemeinen offenbar recht optimistisch gestimmt ist, hielten wir es f\u00fcr interessant, uns einmal auf die potenziellen R\u00fcckschlagrisiken f\u00fcr das Weltwirtschaftswachstum zu konzentrieren. So gehen wir nachfolgend auf drei Katalysatoren ein, die in den n\u00e4chsten Jahren eine Rezession ausl\u00f6sen k\u00f6nnten. Zwar k\u00f6nnen selbstverst\u00e4ndlich unendlich viele unvorhersehbare Ereignisse eintreten, doch die drei folgenden Szenarien halten wir auf absehbare Zeit f\u00fcr die wahrscheinlichsten.<\/p>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline\">Risiko Nr. 1: Korrektur der Asset-Preise<\/span><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Slide11.png\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2064\" alt=\"Slide1\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Slide11.png\" width=\"960\" height=\"720\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zweifellos hat auch die ultra-lockere Geldpolitik die Asset-Preise nach oben getrieben. So haben die niedrigen Zinsen in Verbindung mit den quantitativen Lockerungsprogrammen dazu gef\u00fchrt, dass Investoren an diversen M\u00e4rkten \u2013 von Anleihen \u00fcber Aktien bis hin zu Immobilien \u2013 hervorragende Ertr\u00e4ge erzielt haben. Gleichzeitig haben aber auch die Notenbanken die Anleger dazu ermutigt, ihre Barreserven und ihr Erspartes in diverse Anlageformen zu investieren, um so positive reale Renditen zu erwirtschaften. Auch dies hat zum Anstieg der Asset-Preise beigetragen. Allerdings stellt sich nun die Frage, ob die Kurse nicht vielleicht doch bereits zu stark nach oben geklettert sind.<\/p>\n<p>Dieser Prozess wird vermutlich so lange anhalten, bis ein Ereignis eintritt, in Folge dessen die Investmentertr\u00e4ge zuk\u00fcnftig wieder niedriger ausfallen. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re, dass eine Notenbank gezwungen sein k\u00f6nnte, ihr Kreditangebot einzuschr\u00e4nken, weil sie eine \u00dcberhitzung der gesamten Konjunktur oder auch nur eines einzelnen Marktsegments bef\u00fcrchtet. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die \u00dcberlegungen der Bank of England, aufgrund des betr\u00e4chtlichen Preisanstiegs am britischen Immobilienmarkt makroprudenzielle Ma\u00dfnahmen zu ergreifen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist die Volatilit\u00e4t an den Investmentm\u00e4rkten momentan \u00fcberraschend niedrig. Dies spricht daf\u00fcr, dass sich die M\u00e4rkte um die aktuellen Konjunkturaussichten keine allzu gro\u00dfen Sorgen machen. Betrachtet man beispielsweise den Chicago Board Options Exchange OEX Volatility-Index (der auch als der \u201ealte VIX\u201c bekannt ist und als Barometer f\u00fcr die Volatilit\u00e4t am US-Aktienmarkt dient), so belegt dieser, dass die M\u00e4rkte inzwischen wom\u00f6glich bereits zu selbstgef\u00e4llig geworden sind. Vor zwei Tagen ist dieser Index n\u00e4mlich auf 8,86 Punkte und damit auf sein niedrigstes Niveau seit Beginn dieser Berechnungen im Jahr 1986 gesunken. \u00c4hnliche Tiefs erreichte der Index Ende 1993 (wenige Monate vor der ber\u00fchmten Verkaufswelle, die den Anleihenmarkt 1994 erfasste) sowie Mitte 2007 (und wir alle wissen ja, was dann 2008 geschah). Auf diese fehlende Volatilit\u00e4t haben einige Notenbanken (einschlie\u00dflich der US-Notenbank und der Bank of England) auch bereits hingewiesen. Das Problem ist aber, dass genau diese Notenbanken mit ihrem \u201eForward Guidance\u201c-Experiment auch am meisten zu dem derzeit g\u00fcnstigen Umfeld beigetragen haben, denn seitdem blicken die Anleger k\u00fcnftigen monet\u00e4ren Ma\u00dfnahmen ganz entspannt entgegen.<\/p>\n<p>Falls diese Ereignisse tats\u00e4chlich eintreten sollten, k\u00f6nnte es zu einer Neubewertung von Verm\u00f6genswerten kommen. Die Banken w\u00fcrden unter Druck geraten, weil die Sicherheiten, auf deren Basis Kredite vergeben worden sind, auf \u00fcberh\u00f6hten Preisen beruhten. Eine solche Entwicklung d\u00fcrfte dann auch betr\u00e4chtliche Auswirkungen auf die Devisenm\u00e4rkte haben, weil die Risikoscheu der Anleger zunehmen w\u00fcrde. Diese w\u00fcrden dann wahrscheinlich damit beginnen, Verm\u00f6genswerte zu ver\u00e4u\u00dfern. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten diese Ereignisse auch auf die Realwirtschaft \u00fcbergreifen und eine Rezession ausl\u00f6sen.<\/p>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline\">Risiko Nr. 2: Schock bei den Rohstoffpreisen<\/span><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Slide21.png\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2065\" alt=\"Slide2\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/Slide21.png\" width=\"960\" height=\"720\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Weltwirtschaft droht, erneut in eine Phase einzutreten, in der die realen Lebensmittel- und Treibstoffpreise zunehmenden Schwankungen unterliegen. Daf\u00fcr ist eine ganze Reihe von Faktoren wie der Klimawandel, die steigende Produktion von Bio-Kraftstoff, geopolitische Ereignisse sowie ein sich ver\u00e4nderndes Essverhalten (und eine entsprechend wechselnde Nahrungsmittelnachfrage) in L\u00e4ndern wie China und Indien verantwortlich. Auch Hebelgesch\u00e4fte an den Rohstoffm\u00e4rkten k\u00f6nnten in diesem Zusammenhang ung\u00fcnstige Auswirkungen haben. Es gibt also eine Vielzahl von Gr\u00fcnden zu der Annahme, dass es bei den Lebensmittelpreisen weltweit in Zukunft eher mehr als weniger Schocks geben wird.<\/p>\n<p>Wie bereits im Jahr 2008 zu beobachten war, k\u00f6nnen solche Preisschocks sowohl das wirtschaftliche als auch das politische Umfeld destabilisieren. Man k\u00f6nnte sogar anf\u00fchren, dass die gro\u00dfe Finanzkrise eigentlich durch den Anstieg der Rohstoffpreise in den Jahren 2007 und 2008 ausgel\u00f6st wurde, und dass die Folgen dieser Krise f\u00fcr die globale Konjunktur deswegen so heftig waren, weil die Weltwirtschaft wegen der hohen Verschuldung f\u00fcr externe Schocks seinerzeit au\u00dferordentlich anf\u00e4llig war. Tats\u00e4chlich folgte aber jeder der letzten f\u00fcnf Abschw\u00fcnge der Weltwirtschaft unmittelbar auf einen deutlichen Aufw\u00e4rtstrend bei den \u00d6lpreisen (wie die FT <a href=\"http:\/\/blogs.ft.com\/gavyndavies\/2021\/12\/24\/how-big-is-the-2011-oil-price-shock\" target=\"_blank\">hier<\/a> bereits erl\u00e4utert hat). Ein derartiger Anstieg der Rohstoffpreise beeinflusst die etablierten Industriestaaten ebenso wie die Schwellenl\u00e4nder, wobei Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen am meisten in Mitleidenschaft gezogen werden, weil diese einen gr\u00f6\u00dferen Teil ihrer Einkommen f\u00fcr Lebensmittel und Benzin aufbringen m\u00fcssen. Gleichzeitig hat eine solche Tendenz aufgrund der steigenden Preise auch betr\u00e4chtliche Auswirkungen auf die Inflation.<\/p>\n<p>Dieses Szenario eines Schocks bei den Rohstoffpreisen wirft eine Reihe von Fragen auf: Wie sollte man auf monet\u00e4rer und fiskalpolitischer Ebene darauf reagieren? W\u00fcrden sich die Notenbanken in einem solchen Fall vielleicht wieder st\u00e4rker auf die Kern-Inflation konzentrieren und die h\u00f6heren Treibstoff- und Lebensmittelpreise im Gegenzug ignorieren? W\u00fcrden die Verbraucher ihre G\u00fcrtel enger schnallen und dadurch einen R\u00fcckgang des Wirtschaftswachstums verursachen? Oder w\u00fcrden die Arbeitnehmer als Ausgleich f\u00fcr eine steigende Inflation h\u00f6here L\u00f6hne fordern?<\/p>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline\">Risiko Nr. 3: Protektionismus<\/span><\/h3>\n<p>Nachdem der Handel \u00fcber Jahrzehnte hinweg immer weiter liberalisiert worden ist, sind seit dem Ausbruch der Finanzkrise haupts\u00e4chlich restriktive Handelsma\u00dfnahmen umgesetzt worden. So <a href=\"http:\/\/www.wto.org\/english\/news_e\/news14_e\/igo_17jun14_e.htm\" target=\"_blank\">berichtete<\/a> die Welthandelsorganisation k\u00fcrzlich, dass in den G20-Staaten von Mitte November 2013 bis Mitte Mai 2014 insgesamt 122 neue Handelsbeschr\u00e4nkungen in Kraft getreten sind. Seit Oktober 2008 sind sogar 1.185 solcher Handelsbeschr\u00e4nkungen eingef\u00fchrt worden, die rund 4,1 Prozent der weltweiten Warenimporte betreffen. Einige makroprudenzielle Ma\u00dfnahmen (wie beispielsweise die Finanztransaktionssteuer in Brasilien, die darauf abzielt, Kapitalzufl\u00fcsse an den brasilianischen Markt zu begrenzen und die W\u00e4hrung des Landes zu schw\u00e4chen) k\u00f6nnten sogar als eine Art Protektionismus betrachtet werden.<\/p>\n<p>Falls es in diesem Zusammenhang nicht zu einer Trendwende kommen sollte, k\u00f6nnte das Wirtschaftswachstum durch diesen Handelsprotektionismus \u2013 und \u201eW\u00e4hrungskriege\u201c \u2013 beeintr\u00e4chtigt werden. Schwerwiegende Folgen h\u00e4tte dies vor allem f\u00fcr kleinere, offene Volkswirtschaften wie Hongkong und Singapur. Doch auch die Schwellenl\u00e4nder insgesamt w\u00fcrden durch eine solche Entwicklung belastet werden, weil das Wirtschaftswachstum dieser Staaten in hohem Ma\u00dfe von Exporten abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Einen solchen Handelsprotektionismus machen viele \u00d6konomen auch daf\u00fcr verantwortlich, dass die gro\u00dfe Depression der 1930er Jahre so heftig, so umfassend und so langwierig war. Falls es zu einer Stagnation der Weltwirtschaft kommen sollte, k\u00f6nnten die politischen Entscheidungstr\u00e4ger aber in zunehmendem Ma\u00dfe gezwungen sein, protektionistische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um mit deren Hilfe einzelne Branchen zu sch\u00fctzen und Arbeitspl\u00e4tze zu sichern. Allerdings sollten die Politiker sorgsam darauf achten, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.<\/p>\n<p>Die Erstellung von Wirtschaftsprognosen ist wirklich eine schwierige Aufgabe. Investoren sollten sich dieser Risiken bewusst sein \u2013 und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob sie nun eintreten oder nicht \u2013 und sich entsprechend positionieren. Denn wom\u00f6glich sind die Aussichten gar nicht so rosig wie derzeit allgemein angenommen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Weltwirtschaft sieht es momentan ziemlich gut aus. Die US-Notenbank f\u00e4hrt allm\u00e4hlich ihre quantitativen Lockerungsma\u00dfnahmen zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Wirtschaft Chinas weiter kr\u00e4ftig w\u00e4chst. Gleichzeitig spricht man bei der Bank of England bereits von Zinsanhebungen, wohingegen die Notenbanken Japans und Europas ihre Volkswirtschaften nach wie vor mit einer unkonventionellen und extrem lockeren Geldpolitik ankurbeln. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds geht davon aus, dass das Wachstum in den etablierten Volkswirtschaften von seinem 0,5 Prozent-Tief aus dem Jahr 2012 bis 2015 auf fast 2,5 Prozent anziehen wird. 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