{"id":4588,"date":"2018-08-14T10:05:11","date_gmt":"2018-08-14T10:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bondvigilantes.com\/deutsch\/?p=4588"},"modified":"2018-08-21T09:49:47","modified_gmt":"2018-08-21T09:49:47","slug":"vulnerable-emerging-markets-trade-wars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/2018\/08\/vulnerable-emerging-markets-trade-wars\/","title":{"rendered":"Wie empfindlich reagieren Schwellenl\u00e4nder auf Handelskriege?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schwellenl\u00e4nder-Portfoliomanagerin Claudia Calich<\/strong> analysiert die potenziellen Folgen einer Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China auf die Schwellenl\u00e4nder. Claudia Calich zeigt, dass beliebte Produkte wie franz\u00f6sischer Wein und K\u00e4se trotz der diplomatischen Tumulte und des Medienrummels allen Hindernissen zum Trotz immer ihren Weg zum Endverbraucher finden werden. Sie erkl\u00e4rt auch, welche L\u00e4nder im derzeit vorherrschenden Umfeld zu den Gewinnern und Verlierern z\u00e4hlen k\u00f6nnten und welche Staaats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenl\u00e4ndern attraktiver wirken.<\/p>\n<p><strong>Fragen und Antworten mit Schwellenl\u00e4nder-Portfoliomanagerin Claudia Calich<\/strong><\/p>\n<p>Handelskriege k\u00f6nnen verschiedene Kan\u00e4le betreffen: Importwaren k\u00f6nnen teurer werden, die W\u00e4hrungen der Exportl\u00e4nder k\u00f6nnen abwerten und Anlageentscheidungen k\u00f6nnten aufgeschoben werden, bis mehr Klarheit herrscht. Handelskriege k\u00f6nnen auch einen R\u00fcckgang des Verbrauchs zur Folge haben, wenn die Unternehmen die h\u00f6heren Preise weitergeben. Des Weiteren k\u00f6nnten sich die finanziellen Bedingungen straffen, wenn die Direktinvestitionen aus dem Ausland zur\u00fcckgehen oder die Risikopr\u00e4mie auf Anleihen oder Aktien steigt. Diese s\u00e4mtlichen Faktoren k\u00f6nnten die Wirtschaftsaktivit\u00e4t beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch schwierig, die genauen Folgen der anhaltenden Spannungen zu quantifizieren, da Produktionsst\u00e4tten und internationale Versorgungsketten nicht \u00fcber Nacht ver\u00e4ndert oder in ein anderes Land verlegt werden k\u00f6nnen. Auch wenn neue Z\u00f6lle auferlegt werden, k\u00f6nnte es billiger sein, diese zu bezahlen als einen gesamten Produktionsprozess in ein anderes Land zu verlagern. Ob die US-Unternehmen die zus\u00e4tzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben k\u00f6nnen bleibt noch abzuwarten. Es ist auch noch fraglich, ob diese Verbraucher bereit sein werden, h\u00f6here Preise zu akzeptieren. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte es M\u00f6glichkeiten geben, Z\u00f6lle zu umgehen. Wir haben k\u00fcrzlich gesehen, dass Russland Barrieren f\u00fcr bestimmte westliche Produkte einf\u00fchrte, franz\u00f6sischer Wein und K\u00e4se aber durch andere L\u00e4nder trotzdem ihren Weg ans Ziel fanden. Auswirkungen auf Dritte w\u00e4ren ebenfalls m\u00f6glich. So k\u00f6nnten beispielsweise Handelsbarrieren f\u00fcr chinesische Waren mexikanische Exporte in die USA f\u00f6rdern. Bestimmte US-Automobilhersteller wie z. B. Ford verf\u00fcgen bereits \u00fcber gro\u00dfe Werke in Mexiko.<\/p>\n<p><strong>Die Rohstoffpreise sind in der j\u00fcngsten Zeit aufgrund von Bedenken, dass die Handelsspannungen das chinesische Wachstum schw\u00e4chen k\u00f6nnten und die Nachfrage nach Metallen so nachlassen k\u00f6nnte, zur\u00fcckgegangen. Rechnen Sie mit weiteren R\u00fcckg\u00e4ngen?<\/strong><\/p>\n<p>Sollte das chinesische Wachstum deutlich zur\u00fcckgehen, k\u00f6nnte eine weitere Schw\u00e4chung eintreten. Wir sollten aber nicht vergessen, dass der derzeitige Leistungsbilanz\u00fcberschuss Chinas nur knapp 1\u00a0% des BIP ausmacht, also wesentlich weniger, als die 10\u00a0% vor zehn Jahren, da das Land seine Volkswirtschaft auf ein verbrauchsorientiertes Modell umstellt, dessen Schwerpunkt nicht l\u00e4nger auf Verarbeitung und Export liegen soll. Die von China importierten Rohstoffe werden eher f\u00fcr Infrastrukturprojekte verwendet, die st\u00e4rker vom Binnenwachstum abh\u00e4ngig sind &#8211; die Z\u00f6lle gelten dagegen eher f\u00fcr die Herstellung von Produkten. Die Nachfrage nach Rohstoffen k\u00f6nnte daher nicht unbedingt so stark zur\u00fcckgehen wie von Manchen erwartet &#8211; es sei denn, in China w\u00fcrde aufgrund der Handelskriege eine wesentliche Konjunkturverlangsamung einsetzen und\/oder die chinesische Regierung w\u00fcrde eine politische Antwort w\u00e4hlen, die zu finanzieller Instabilit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Wie sehen Sie die L\u00e4nder, die viel nach China exportieren? <\/strong><\/p>\n<p>Diese L\u00e4nder m\u00fcssen wir jeweils einzeln betrachten. Der Kupfererzeuger Chile verf\u00fcgt beispielsweise \u00fcber eine sehr geringe Verschuldung, eine freie W\u00e4hrung und hat keine wesentlichen Probleme mit Leistungsbilanzdefiziten. Sollten die Kupferpreise einbrechen, m\u00fcsste die Zentralbank die Zinsen anheben und k\u00f6nnte gezwungen sein, mittelfristig hohe Haushaltsdefizite aufrecht zu erhalten. Sie h\u00e4tte aber die Mittel, sich zu verteidigen.<\/p>\n<p>Andere L\u00e4nder k\u00f6nnten dagegen wesentlich anf\u00e4lliger sein. Sambia verf\u00fcgt beispielsweise \u00fcber ein hohes Zwillingsdefizit, so dass das Land in einem extremen Szenario wesentlich unflexibler w\u00e4re.<\/p>\n<p>Auch L\u00e4nder mit h\u00f6heren auf US-Dollar lautenden Schulden h\u00e4tten zu leiden, falls eine Eskalation der Handelsspannungen zu einem st\u00e4rkeren US-Dollar f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/1-DE-China-export-graph-BV-version.png\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4604\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/1-DE-China-export-graph-BV-version.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/1-DE-China-export-graph-BV-version.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/1-DE-China-export-graph-BV-version-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/1-DE-China-export-graph-BV-version-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4re das Schlimmste, das passieren k\u00f6nnte?<\/strong><\/p>\n<p>Die Reaktion Chinas wird von zentraler Bedeutung sein. Sollte das Land die W\u00e4hrung beispielsweise als Verhandlungstool einsetzen und eine Abwertung erzwingen, w\u00fcrde das zu st\u00e4rkeren Spannungen f\u00fchren und m\u00f6glicherweise zu finanzieller Instabilit\u00e4t. Man kann nie ausschlie\u00dfen, dass in Extremsituationen Szenarien eintreten, die zu einem Risk-off-Umfeld mit weiteren Renditeabst\u00e4nden und h\u00f6heren Defiziten f\u00fchren w\u00fcrden. Das ist jedoch nicht mein Basisszenario.<\/p>\n<p>China hat jedoch erneut betont, finanzielle Stabilit\u00e4t anzustreben und seine W\u00e4hrung nicht als Instrument einsetzen zu wollen. Wie in China haben auch andere Zentralbanken aus Schwellenl\u00e4ndern ihre F\u00fchrung und Glaubhaftigkeit in den letzten Jahren verbessert. Solange ihre Reaktion also angemessen und von entsprechender Kommunikation begleitet sein wird, d\u00fcrfte ihre Glaubhaftigkeit und Stabilit\u00e4t nicht wesentlich beeintr\u00e4chtigt werden.<\/p>\n<p><strong>Wir konnten seit Jahresbeginn mehrere Zinserh\u00f6hungen in Schwellenl\u00e4ndern beobachten &#8211; handelt es sich um eine Reaktion auf den steigenden US-Dollar? Rechnen sie mit mehr Zinserh\u00f6hungen in Schwellenl\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Jeder hat seine eigenen Katalysatoren: Die T\u00fcrkei und Argentinien haben ihre Zinsen erh\u00f6ht, weil dies aufgrund ihrer hohen Leistungsbilanzdefizite und des gro\u00dfen Finanzierungsbedarfs n\u00f6tig war. In Osteuropa wurden die Zinsen erh\u00f6ht, da in L\u00e4ndern wie der Tschechischen Republik, Rum\u00e4nien und Ungarn Zeichen f\u00fcr eine \u00dcberhitzung deutlich wurden, die zu steigender Inflation f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Da die Daten aus Europa und Teilen Asiens in der letzten Zeit ged\u00e4mpfter und die US-Daten gemischt waren, deuten die meisten Anzeichen im Zusammenhang mit den zuk\u00fcnftigen Zinsen in den Schwellenl\u00e4ndern auf Erh\u00f6hungen hin.<\/p>\n<p><strong>Sind h\u00f6here Zinsen in den Schwellenl\u00e4ndern bereits eingepreist?<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/2-DE-China-export-graph-BV-version.png\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4605\" src=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/2-DE-China-export-graph-BV-version.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/2-DE-China-export-graph-BV-version.png 960w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/2-DE-China-export-graph-BV-version-300x225.png 300w, https:\/\/bondvigilantes.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/12\/2-DE-China-export-graph-BV-version-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Was bereitet Ihnen im Hinblick auf die Schwellenl\u00e4nder die gr\u00f6\u00dften Sorgen?<\/strong><\/p>\n<p>Manche L\u00e4nder, besonders mit schw\u00e4cheren Ratings wie z. B. afrikanische Emittenten s\u00fcdlich der Sahara, Argentinien oder Bahrain sind von h\u00f6herem Wachstum oder niedrigen Refinanzierungs-Zinsen abh\u00e4ngig, um ihren Verschuldungsgrad stabil zu halten. W\u00e4hrend wir in vielen Volkswirtschaften von Schwellenl\u00e4ndern einen breit basierten R\u00fcckgang der Leistungsbilanzdefizite beobachten konnten und davon ausgehen k\u00f6nnen, dass dieser Teil der Neugewichtung abgeschlossen ist, sind Verbesserungen bei den Haushaltsdefiziten dieser L\u00e4nder erst in der j\u00fcngsten Zeit festzustellen. H\u00f6heres Wachstum w\u00e4re von Vorteil, aber in bestimmten F\u00e4llen bleibt noch viel mehr zu tun.<\/p>\n<p><strong>Wo k\u00f6nnten sich bei den Schwellenl\u00e4ndern derzeit Chancen f\u00fcr Anleger bieten?<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Ausverkauf von chinesischen Anleihen haben die Renditeabst\u00e4nde Niveaus erreicht, die attraktiv sein k\u00f6nnten, besonders im Immobiliensektor. Wir sehen auch eine Exposure gegen\u00fcber den lokalen M\u00e4rkten in L\u00e4ndern, deren reale oder nominale Zinsen interessant wirken, wie Brasilien und Uruguay, positiv, oder in L\u00e4ndern, wo die Inflation wahrscheinlich ihren H\u00f6chststand erreicht hat, wie Mexiko. Bei den Unternehmensanleihen bevorzugen wir quasi-staatliche Emittenten des \u00d6l- und Gassektors mit soliden Fundamentaldaten und bestimmte Unternehmen des Verbrauchersektors in Peru sowie Immobilienunternehmen in Mexiko. Was die Wahl zwischen auf lokale oder harte W\u00e4hrungen lautende Anleihen betrifft, so sahen wir auf lokale W\u00e4hrungen lautende Anleihen nach 2015 positiv, als wir davon ausgingen, dass die Rally des US-Dollars quasi beendet wer. Die Preise von auf US-Dollar lautenden Anleihen sind jetzt interessanter als zu Beginn dieses Jahres, da sich die Renditeabst\u00e4nde erweitern und wir in diesem Segment Wertpotenzial sehen. Grunds\u00e4tzlich handelt es sich bei den Schwellenl\u00e4ndern um einen Markt, aus dem man sich die Rosinen herauspicken muss.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bondvigilantes.com\/blog\/2021\/12\/11\/em-bonds-ytd-review-outlook\/\">Hier finden Sie weitere Informationen \u00fcber Claudia Calich, ihren j\u00fcngsten R\u00fcckblick vom Jahresbeginn bis heute und ihren Ausblick.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwellenl\u00e4nder-Portfoliomanagerin Claudia Calich analysiert die potenziellen Folgen einer Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China auf die Schwellenl\u00e4nder. Claudia Calich zeigt, dass beliebte Produkte wie franz\u00f6sischer Wein und K\u00e4se trotz der diplomatischen Tumulte und des Medienrummels allen Hindernissen zum Trotz immer ihren Weg zum Endverbraucher finden werden. 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